Handlungsfelder

Minimierung des Schadenspotenzials

Hochwasserschutzeinrichtungen bieten keinen vollkom­menen Schutz, wie die zahlreichen Katastrophen infolge des Ausfalls entsprechender Einrichtungen immer wieder verdeutlichen. Zum einen können die Schutzeinrichtungen technisch versagen, beispielsweise durch den Bruch eines Deiches. Zum anderen kann das Bemessungshochwasser, für das sie ausgelegt sind, überschritten werden. Im zweiten Fall wird der betroffene Deich den Wassermassen standhal­ten, aber überflutet. Tritt ein solcher Fall ein – der niemals vollständig ausgeschlossen werden kann – sind hohe Schäden die Folge, weil die Nutzungen aufgrund der ver­meintlichen Sicherheit nicht an die mögliche Gefährdung angepasst sind. Aus diesem Grund sollten in den betrof­fenen Räumen, die als potenzielle Überflutungsbereiche bezeichnet werden, mögliche Schäden verhindert werden, indem der Regionalplan hochwasserangepasste Nutzungen vorschreibt. Die Minimierung des Schadenspotenzials bildet die dritte Säule des Vorbeugenden Hochwasserschut­zes. Mit ihr ergänzt die Regionalplanung den technischen Hochwasserschutz.

Regionalplanerische Festlegungen sollen der Flächenvorsorge dienen und hochwasseremp­findliche Nutzungen hinter den Deichen verhindern. Insbesondere in tief liegenden Bereichen kann aufgrund besonders hoher Wasserstände im Falle einer Überflutung eine Gefahr für Leib und Leben bestehen. Hier sollten Vor­ranggebiete in unbesiedelten Bereichen Siedlungsentwick­lung und Hochwasser unverträgliche Infrastrukturen un­tersagen. In Bereichen, in denen Siedlungsflächen bereits bestehen, ist die regionalplanerische Regelungskompetenz beschränkt. Regionalplanerische Festlegungen, die zur Minimierung des Schadenspotenzials beitragen, werden im Folgenden thematisiert.

Exkurs

Schäden aus den vergangenen Hochwasserereignissen

Den Handlungsbedarf in diesem Bereich haben die vergangenen Hochwasserereignisse veranschaulicht. Im Zuge des Elbehochwassers 2002, von dem die Bundesländer Sachsen und Sachsen-Anhalt am stärksten betroffen waren, starben 21 Menschen und wurden mehr als 100 verletzt. Auch die materiellen Schäden waren hoch: Allein in Sach­sen wurden aufgrund von Deichbrüchen 25 000 Wohngebäude sowie circa 800 Kilometer Straßen mit 100 Brücken beschädigt. Der finanzielle Gesamtschaden im deutschen Einzugsgebiet der Elbe betrug circa 11,4 Milliarden €. Die Überschwemmungen 2013 in Mitteleuropa entlang von Elbe und Donau und ihrer Nebenflüsse verursachten allein in Deutschland mit circa 6 Milliarden € erneut einen immensen Schaden.


Steckbriefe

Good Practices und Instrumenteninnovationen

Die folgenden Instrumentensteckbriefe beinhalten zum einen bestehende Festlegungen verschiedener deutscher Regionen, die sich bereits dem Thema angenommen haben, und zum anderen innovative Lösungen, die im Rahmen des KlimREG-Projektes entwickelt wurden, um das Schaden­spotenzial regionalplanerisch zu minimieren. Die Rege­lungsinhalte betreffen im Folgenden:

  • Verringerung von Schadenspotenzialen in deichge­schützten Bereichen mit hohen Überschwemmungstie­fen
  • Verringerung von Schadenspotenzialen in deichge­schützten Bereichen
  • Hochwasserangepasste Bestandsentwicklung in deich­geschützten Bereichen
  • Hochwasserangepasste neue Bebauung in deichge­schützten Bereichen
  • Berücksichtigung von Schadenspotenzialen in deichge­schützten Bereichen
  • Ausschluss neuer Schadenspotenziale in deichge­schützten Bereichen – Flexibilisierung mit Regel-Aus­nahme-Struktur
Innovation
Verringerung von Schadenspotenzialen in deichgeschützten Bereichen mit hohen Überschwemmungstiefen

Innovation
Verringerung von Schadenspotenzialen in deichgeschützten Bereichen

Good Pratice
Hochwasserangepasste Bestandsentwicklung in deichgeschützten Bereichen

Good Pratice
Hochwasserangepasste neue Bebauung in deichgeschützten Bereichen

Good Pratice
Berücksichtigung von Schadenspotenzialen in deichgeschützten Bereichen

Good Pratice
Ausschluss neuer Schadenspotenziale in deichgeschützten Bereichen – Flexibilisierung mit Regel-Ausnahme-Struktur