Handlungsfelder

Schutz vor Hitze in Siedlungsbereichen

Der Anstieg der jährlichen Durchschnittstemperatur und vermehrt auftretende Hitzewellen führen vor allem in verstädterten Bereichen zu einer Zunahme von Tropen­nächten, das heißt die Temperatur fällt nicht unter 20 Grad Celsius, und Hitzetagen, das heißt die Tageshöchsttempe­ratur übersteigt 30 Grad Celsius. Die klimatischen Verän­derungen verstärken die Bildung urbaner Wärmeinseln, da städtische und bebaute Gebiete im Vergleich zum Umland ein andersartiges horizontales und vertikales Windfeld kennzeichnet. Dies geht mit einer eingeschränkten Durch­lüftung von Siedlungsbereichen und einer im Vergleich zum Umland höheren Lufttemperatur einher. Gleichzeitig nehmen Schwüle und die Belastung mit Luftschadstoffen, insbesondere Stickstoffoxiden, zu, wodurch die bioklimati­schen Belastungen, die auf den menschlichen Organismus einwirken, ansteigen.

Eine stadt-regionale Strategie zur Reduktion der bioklima­tischen Belastungen besteht im Austausch von Kalt- und Frischluft mit dem Umland. Der Unterschied zwischen Kalt- und Frischluft besteht in der Belastung mit Luft­schadstoffen. Kaltluft bildet sich über Freiräumen wie Wiesen und Äckern. Sie weist im Regelfall keine uner­wünschten Luftbeimengungen auf. Frischluft entsteht in Wäldern und größeren Gehölzflächen und ist frei von bioklimatischen Belastungen. Kaltluft behält beim Abfluss ihre Eigenschaft als Frischluft bei, solange sie nicht über Emissionsquellen driftet. Um Siedlungsbereiche vor zunehmender Überhitzung zu schützen, besteht eine stadt-regionale Strategie darin, Freiflächen für die Ent­stehung und den Transport von Frisch- und Kaltluft aus dem Umland in die verdichteten Stadträume zu sichern. Kalt- und Frischluftentstehungsgebiete sind dementspre­chend von Besiedlung und emissionsträchtigen Nutzungen frei zu halten. Querliegende größere Baukörper, dichte Bepflanzungen sowie Aufforstungen oder Aufschüttungen beeinträchtigen den Kaltlufttransport und sollten durch Festlegungen in den Bereichen ausgeschlossen werden. Für den Erhalt der Qualität von Frischluft ist es erforder­lich, emissionsträchtige Nutzungen aus den Frischluft­transportgebieten auszuschließen.

Menschen in Parkanlage

Viele Regionalpläne enthalten Festlegungen zur Verknüpfung regionaler Grünzüge mit innerörtlichen Grünstrukturen (Quelle: Marco Barnebeck/pixelio.de)

Zur Reduktion bioklimatischer Belastungen kann die Regi­onalplanung auf multi- und monofunktionale Festlegun­gen zurückgreifen. Zu den multifunktionalen Festle­gungen zählen regionale Grünzüge, die unterschiedliche Funktionen schützen und Freiräume vor einer baulichen Inanspruchnahme bewahren. Der Abschnitt ‚Multifunktionale Festlegungen‘ enthält nähere Erläuterungen dazu. Auch monofunktionale Raumordnungsgebiete können Flächen sowohl für Kaltluftentstehung und -transport als auch Frischluftentstehung und -transport sichern. Potenzia­le für den Schutz vor Hitzefolgen in Siedlungsbereichen bestehen vor allem in Bundesländern mit einer stärkeren Standortsteuerung der Siedlungsflächen. Siedlungskli­matische Grundlagendaten sind erforderlich, um Raum­ordnungsgebiete, die eine Reduktion der bioklimatischen Belastungen abstreben, räumlich abzugrenzen. Darüber hinaus ist es auch möglich, im Regionalplan thermische Belastungsbereiche darzustellen.

Exkurs

Die Hitzewelle im August 2003

Insbesondere Frankreich und das südliche Europa waren mehrtägig von Tagestemperaturen über 40 Grad Celsius betroffen. Die Folge waren tausende Todesopfer und hohe volkswirtschaftliche Schäden. Auch in Deutschland waren die Auswirkungen zu spüren. In Freiburg wurden an 53 Tagen Temperaturen von mehr als 30 Grad Celsius gemessen, am 13. August 2003 der Rekordwert von 40,2 Grad Celsius. Für Deutschland wird von 7 000 Todesopfern aufgrund der Hitzewelle ausgegangen, wobei vor allem ältere und bereits erkrankte Menschen betroffen waren.

Steckbriefe

Good Practices und Instrumenteninnovation

Die folgenden Instrumentensteckbriefe beinhalten zum einen bestehende Festlegungen aus deutschen Regionen und zum anderen innovative Lösungen, die im KlimREG-Projekt entwickelt wurden, um die Hitzebelastung in den Siedlungsbereichen zu verringern. Folgende Intentionen liegen ihnen zugrunde:

  • Sicherung von Flächen für den Kaltlufttransport
  • Vorbehaltsgebiet für besondere Klimafunktionen
  • Sicherung von Flächen für die Kaltluftentstehung
  • Sicherung von Flächen für die Frischluftentstehung
  • Sicherung von Flächen für den Kaltlufttransport
  • Sicherung von Flächen für den Frischlufttransport
Innovation
Sicherung von Flächen für den Kaltlufttransport

Good Pratice
Vorbehaltsgebiet für besondere Klimafunktionen

Good Pratice
Sicherung von Flächen für die Kaltluftentstehung

Good Pratice
Sicherung von Flächen für die Frischluftentstehung

Good Pratice
Sicherung von Flächen für den Kaltlufttransport

Good Pratice
Sicherung von Flächen für den Frischlufttransport