Handlungsfelder

Verminderung von Hochwassergefahren

Infolge des Klimawandels sind hydrologische Veränderun­gen wahrscheinlich, das heißt eine jahreszeitliche Ver­schiebung der Niederschläge und vermehrte Starkregenereignisse im Sommer. Treffen Niederschläge auf Flächen, deren Böden bereits mit Wasser gesättigt und/oder stark versiegelt sind, führt dies infolge des Wasserabflusses zu lokalen Überschwemmungen und Flusshochwasser. Der Verlust natürlicher Retentionsräume durch Flussbegradi­gungen und den Bau von Hochwasserschutzeinrichtungen hat erhöhte Wasserstände zur Folge, weil sich die Hochwasserwelle in einem geringeren Maße flächig ausdehnen kann. Der Bundesgesetzgeber hat die Regionalplanung mit § 2 Abs. 2 Satz 6 ROG beauftrag, einen Beitrag zur Reduktion der Hochwasserentstehung zu leisten und damit vorsorgend tätig zu werden. Um die Entstehung von Hoch­wassergefahren zu verringern, können Flächen für den Rückhalt von Niederschlagswasser und für die Retention bei Hochwasser gesichert werden. Regionalplanerische Festlegungen in beiden Handlungsfeldern werden im Fol­genden thematisiert.

Exkurs

Hochwasserereignisse der letzten Jahre

Detaillierte Analysen liegen für das Elbehochwasser 2002 vor. Zu den entscheidenden Ursachen für die verheeren­den Überschwemmungen zählte der umfangreiche Verlust natürlicher Retentionsräume entlang des Flusses, die seit 1850 um 86 % reduziert wurden. In der Folge kam es entlang der Elbe und ihren Nebenflüssen zu zahlreichen Deichbrüchen, wodurch eine Fläche von mehr als 300 km² überschwemmt wurde. Die Überflutung von Siedlungs-und Industriegebieten erhöhte auch den Schadstoffgehalt des Flusswassers. Vergleichbare Probleme verdeutlichte das Hochwasser in Mitteleuropa im Mai/Juni 2013, von dem auch Deutschland stark betroffen war. Entlang der Donau und Elbe sowie ihrer Nebenflüsse kam es in Teilen zu Pegelständen, die einem 500-jährigen Hochwasser entsprachen. Auch hier führten zahlreiche Deichbrüche zu Überschwemmungen; fünf davon allein am sächsi­schen Elbeabschnitt. Die Investitionen in das sächsische Deichsystem nach dem Hochwasser 2002 haben aufgrund der Ober-Unterlauf-Problematik die Gefährdung der Unterlieger erhöht. So brach am 10. Juni der Deich nahe des sachsen-anhaltinischen Dorfes Fischbeck. In der Folge wurde eine Fläche von 200 km² überflutet.

Steckbriefe

Good Practices und Instrumenteninnovationen

Die folgenden Instrumentensteckbriefe beinhalten zum einen bestehende Festlegungen, die auf eine Verminderung der Hochwassergefahren zielen. Zum anderen beschreiben sie innovative Lösungen, die im Rahmen des KlimREG-Projektes entwickelt wurden, um die Hochwassergefahren regionalplanerisch zu minimieren. Im Einzelnen verfolgen sie folgende Ziele:

  • Erhalt von Retentionsraum – Flexibilisierung mit Regel-Ausnahme-Struktur
  • Rückgewinnung von Retentionsraum – Flexibilisierung mit Regel-Ausnahme-Struktur
  • Rückhalt von Niederschlagswasser und Erosionsver­meidung durch Aufforstung
  • Erhaltung von Retentionsraum – Verknüpfung mit Natur- und Landschaftsschutz
  • Erhaltung und Verbesserung des Wasserrückhalts in Hochwasserentstehungsgebieten
Innovation
Erhalt von Retentionsraum – Flexibilisierung mit Regel-Ausnahme-Struktur

Innovation
Rückgewinnung von Retentionsraum – Flexibilisierung mit Regel-Ausnahme-Struktur

Innovation
Rückhalt von Niederschlagswasser und Erosionsvermeidung durch Aufforstung

Good Pratice
Erhalt von Retentionsraum – Verknüpfung mit Natur- und Landschaftsschutz

Good Pratice
Erhaltung und Verbesserung des Wasserrückhalts in Hochwasserentstehungsgebieten